Duisburch 47 – Die Playlist des guten Geschmacks

Mittlerweile läuft ja hier hier so einiges an guter Musik bei mir wieder zusammen. Ob es für das Radio, diesen Blog oder gelegentlich auch für Fanzines verwurschtet wird, entscheidet der Moment.

Da ja mit Spotify der heimlich konsumierte Streaming-Dienst der Wahl zur Verfügung steht, gibt es darum eine stets aktualisierte Playlist mit 47 Songs, die sich speisen aus den Hits der Bemusterungen und denen, die ich durch meine großartige Filterblase zugesteckt bekomme.

Also viel Spaß beim Hören, Folgen und Liken!

https://open.spotify.com/playlist/0iaPUEg015ENKHTovBufKZ?si=fm5LxIO9TI2rthN6IhSoGw

IRINI MONS – s/t CD

Hach, welch wunderbarer Sonnenstrahl scheint da aus Lyon rüber. IRINI MONS lassen in diesem Licht beeindruckende Klanglandschaften entstehen: treibend und basslastig wie SHELLAC oder the DEAD, angedeutete Hymnen, Stonerrock und auch (mehrstimmig) stimmiger Gesang. Die französischen Texte wirken gesungen auch einfach schön für mich. Vielleicht ein großer Vorteil, wenn man die Sprache leider so gar nicht versteht. Manchmal ist es ja auch ganz schön, wenn man nicht alles weiß und noch Leerstellen bleiben, die die eigene Fantasie füllen darf.

Und wirkte die Vorgängerband DECIBELLES für mich in allen Belangen immer etwas zu dünn, so trifft hier das Gegenteil ins Schwarze. Und das ohne je in den Verdacht zu geraten, hier die Songs überfrachten zu wollen. Im Zweifel sind sie immer zur Minimierung bereit, um den Raum zu schaffen, eine Idee einmal glänzen zu lassen. Dabei sind die sechs Songs ein abwechslungsreicher Ritt durch die Welt anspruchsvoller Rockmusik oder auch des Art Rocks. Die kann ich mir immer wieder anhören und entdecke stets Neues für mein Belohnungssystem. Dabei sind sie in Sachen Verspieltheit wie ein auf Harmonie bedachtes Geschwisterkind von LE SINGE BLANC. Schade, dass ihre Tour mit SHELLAC vor Pfingsten so ungünstig liegt. Gibt es als gut recyclingfähigen Tonträger der Zukunft und für die Generation Boomer-cringe als Vinyl.

 

Nicht einmal der stärkste Song auf der CD, aber mit Video.

Plunderbox von Tocotronic – Nie wieder Krieg

Oh, wie sehr habe ich TOCOTRONIC in den 90er-Jahren gehasst! Standen sie mit ihren scheiß Trainingsanzügen für mich, wofür heute all die bärtigen Zausel stehen: Eine Gruppe von Menschen, die die Plätze der öffentlichen Diskurse belegen, die eigentlich solch geilen Typen wie mir zustanden. Aufgesetzt erschien mir ihr Dilettantismus und ich wähnte sie alle aus reichem Elternhaus. Fakten, die ich nicht zu prüfen brauchte, denn ich wusste sie waren wahr.

Und jetzt kam doch noch die Box mit dem ganzen Plunder hier an, obwohl ich an gleicher Stelle schon behauptete, dass die Gewalt-Box garantiert die letzte war, die ich käuflich erwerben würde. Was soll ich sagen, ich hatte sie schon im September vorbestellt und schlichtweg vergessen, dass ich sie im religiösem Vinylwahn gleich nach der Erwähnung in meiner Facebook-Blase vorbestellt hatte. Und das, obwohl ich gar nicht mehr weiß, wohin mit den ganzen Tocotronic Boxen, obwohl ich gar nicht fett genug bin, das doofe L-Shirt zu tragen, es sowieso nie anziehen würde, weil das Word 2.0-Design des ‚Nie wieder Krieg‘-Schriftzug an Hässlichkeit kaum zu überbieten ist und obwohl ich doch nur die CD darin auspacken und hören würde. Überhaupt, was soll der ganze ‚Nie wieder Krieg‘-Scheiß? Wir wollen doch alle deutsche Panzer im Donbass und lachen über 5000 deutsche Stahlhelme. Oder irre ich mich, wenn ich das Gefühl habe, dass einige ganz schön kriegsgeil sind.

Und da liegt die Box nun und ich ratlos davor. Dass sie hässlich ist, so hässlich wie alles aus der Merchabteilung Tocotronic, deutete ich schon an. Das Booklet darin ist cellophaniert und das CD-Case noch mal extra in Plastik eingewickelt. Das passt zur roten Flecktarn-Variante des Schriftzugs auf dem Cover. Und ich frage mich, ob das Jan Müllers Versuch ist, Punkte bei Stefan Spiller zu machen.

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Alert – Peter Krause hat es nie gecheckt

In diesem Jahr hat Archi schon zweimal kleine Clips mit akustischen Songs gepostet. Ein selbst komponiertes Stück mit dem schönen Titel “Spanische Schmeißfliege” und eine Eddie van Halen – Coverversion von “316“. Beide Songs ließen insofern aufhorchen, dass ich dachte: “Wow, der kann ja richtig spielen!” Zumindest klingt das für jemanden wie mich, dem ein Musikinstrument so weit weg ist wie für andere der Mars, so.

Doch letzte Woche kam dann das Stück PETER KRAUSE, in dem Archi dann mit seiner markanten Stimme einen typischen Archi-Song raushaut, den er früher sicher für die Terrorgruppe gemacht hätte. Da Musik und Punk sich ja nicht ausschließen, funktioniert der Song richtig gut. Stellt sich also die Frage, ob da vielleicht etwas für die Zeit nach Terrorgruppe im Busch ist. Die Lücke wäre ja nicht gerade klein. Und meine Neugierde war geweckt.

Jetzt ALERT: War Corona doch zu etwas gut?

ALERT: Hallo Swen, ja ich mag dich auch. Ja Corona war tatsächlich zu etwas gut. Nicht unbedingt für mich als Musiker und mein Altenteil-Projekt „ALERT“. Für mich hat sich während Corona gar nicht so viel verändert, ich lebe seit geraumer Zeit sowieso sehr soziophobisch zurückgezogen. Corona hat der Menschheit mal wieder ein paar Grenzen aufgezeigt und zumindest soft angedeutet, dass die Natur noch so einiges in petto hat, um auf die fortschreitende unkontrollierte und gefährliche Ausbreitung einer Spezies zu reagieren.

Die einzige wirklich sinnvolle Konsequenz, die die Menschheit aus dieser und kommenden Pandemien ziehen kann, ist Gesundschrumpfung. Also kontrollierte Selbstdezimierung in Form von konsequenter globaler Geburtenkontrolle. Alles andere ist naiver humanistisch überheblicher Bullshit. Der Kinderwahnsinn muss ein Ende haben.

Musikalisch bist du ja jetzt eher ohne Strom unterwegs gewesen, wenn man mal von den Akustikversionen von bspw. „Ich schlafe mit mir selbst“ absieht. Man hätte bei dir ja auch mit etwas zwischen K.I.Z. und Terrorgruppe rechnen können. War das ein überlegter Schritt?

ALERT: Bevor Punk in mein Leben trat, hab‘ ich klassische spanische Konzertgitarre gelernt. Nicht besonders lang, aber es hat gereicht, um bei mir die Grundlagen für Fingerpicking zu verinnerlichen. Ich hab‘ nebenbei schon immer aus Spaß akustische Gitarrenstückchen komponiert und Demos aufgenommen, einfach weil ich es kann.

Und morgen die ganze Welt

Eine Rezension

“Hanni & Nanni”-Verfilmerin Julia von Heinz scheint aus ihrer Antifa-Zeit inhaltlich nicht viel mitgenommen zu haben. In “Und morgen die ganze Welt” macht sie, wie es deutsche Regiesseur*innen und Drehbuchautor*innen gern tun, aus einem politischen Thema nämlich eine scheinbar unpolitische Charakterstudie und nicht einmal die gelingt ihr. Antifaschist*innen sind für sie offenbar zumeist tanzende und feiernde Hippies, die sich in einem besetzten Haus ihre eigene kleine Idylle schaffen wollen, oder gewaltgeile, Drogen konsumierende Selbstdarsteller aus wohlhabenden Familien. Natürlich haben Erstere da die Sympathien auf ihrer Seite. Was nun die Protagonistin antreibt, abgesehen von der Tatsache, dass sie scharf auf den sportlichen, koksenden “Alpha”-Typen ist, bleibt im Dunkeln. Zunehmend und unergründlich hoch emotionalisiert wirkt ihr Handeln nicht nur kaum nachvollziehbar, es scheint auch weniger durch die politischen Verhältnisse als vielmehr durch psychische Probleme motiviert. Nun wäre es selbstverständlich eine Lüge, zu behaupten, solche Menschen gäbe es in Antifa-Strukturen nicht. Wenn allerdings gar niemand mehr in der Lage ist, zur Gewaltfrage wesentlich mehr als einen platten Satz auszuspucken, wenn die gezeigte Lektüre sich auf das “Antifaschistische Infoblatt” beschränkt und wenn endlos irgendwo herumgelaufen und traurig oder seltsam geguckt, aber nie über tatsächlich Politisches gesprochen wird, dann wird am Ende leider wieder nur ein

Galgenvögel lesen tiefer und singen besser (Die Beste Radioshow mit Zepp Oberpichler)

Wir haben wirklich schon das eine oder andere Abenteuer miteinander erlebt: früher, als das Leben noch aus Musik, Ideen und Freundschaft bestand.
So Anfang Januar, als Vasco und ich den Zepp Oberpichler zu Gast hatten: Vordergründig ging es um sein neues Buch ‘Galgenvögel liegen tiefer’ und die Scheibe ‘Well, well, well’. Letztere Ruhrpottcountry-Kapelle hat ja durchaus seine Qualitäten sowie Fischs von den Lokalmatadoren.

Zepps literarische Ergüsse können sich mittlerweile auch lesen lassen (mehr dazu im nächsten Plastic Bomb!!!), so dass die Sendung sicher auch einen niedrigeren Promowert hat.

Für mich war die Sendung allerdings eine (wie zu Beginn angedeutet) Reise durch Raum und Zeit. Es hätte auch gut und gerne sein können, dass Vasco, Zepp und ich zusammen das Klima in der Wüste Nevada zerstören. Auf einmal ist alles wieder da: Dauergesabbel, Rummaulerei, Pupsi Licht, der Geruch von schäbiger Tankstellentrockenwurst und wenn einer schlafen will, sorgt ein anderer garantiert dafür, dass das nicht geschieht. Kurz, all das bedeuten mir diese hier hörbaren Momente. Für unsere lieben Zuhörer bleibt ein wenig Spaß und vielleicht werden ein paar alte Stränge in euren neuronalen Netzen ebenfalls wieder aktiviert.


 

Duischord: Salon Alter Hammer, Onkel Stereo, Telemark, Storno = Max Nuscheler

Parallel zum sportlichen Abstieg und städtebaulichen Verfall von Duisburg prosperiert derzeit der Kulturbetrieb fernab öffentlicher Subventionsgräber. Mit Max hatten Vasco und ich neulich einen der mitverantwortlichen Akteure in der Besten Radioshow. Anlass dafür waren drei Neuveröffentlichungen auf seinem Label, von denen er bei zweien selbst als Sänger aktiv ist, die ich allesamt für das Plastic Bomb besprechen durfte.

Da das zusammen ja eine ganze Menge ist, habe ich es hier im Blog zusammengefasst, weil ja jede Aufmerksamkeit eine gute ist. Er selbst ist zwar ein Dampfplauderer vorm Herrn und kann sogar so schnell denken, wie sprechen, aber ich habe den Eindruck, dass er angesichts seines enormen Outputs viel zu wenig gewürdigt wird.

Mit Lebensgefährtin Sabine zusammen betreibt er das Label Salon Alter Hammer, das erlesene Bücher (u. A. von Tom Tonk)  und hochwertige Tonträger der eigenen Bands Telemark und Storno sowie befreundeter  Musikanten (jüngstes Kind: YASS, bekanntestes: Sleaford Mods) unters Volk  streut.  Zusammen führen sie auch das  Onkel Stereo Geschäft in der Duisburger Innenstadt, wo  der geneigte Käufer das vermutlich ehrlichste Duisburg Merchandise kaufen kann. Daneben organisiert der Lokalpatriot auch das eine oder andere Konzert im Djäzz und ist Aufrechterhalter der Städtefreundschaft mit der anderen schönen Stadt in Deutschland  (Freiburg).

Darüber sprachen wir am 3.8.2016 in der Besten Radiosendung, bzw. versuchten zu sprechen, denn so seriös seine Anliegen auch sind, er ist durchaus auch ein Freund der sinnbefreiten Kommunikation und damit der perfekte Gast für die Sendung.

Und hier sind noch die drei Kritiken der musikalischen Vernunft aus dem kommendem Plastic Bomb nebst Bandcamp-Links:

Storno – wellness LP + CD

Ich weiß gar nicht, ob die hier aus Kübeln ausgeschüttete Misanthropie mit Augenzwinkern vorgetragen ist. Aus ästhetischer Perspektive liegen die hier beschriebenen Stücke Menschheit schon in die Schubladen „Warum ist das?“ und „Warum muss ich das alles erleben sollen?“. Neben dem Ärgen über die Arschlöcher kommt die Absurdität des menschlichen Lebens und die Rolle des eigenen Ichs darin nicht zu kurz. Die elliptischen Texte sind direkt und Ausrufe und Fragezeichen die Satzzeichen der Wahl. Das Coverartwork – ziemlich lustig – zeichnet ein Bild vom vergangenem Idyll der 60er und 70er: Familie, Urlaub und Kindheit dagegen. Man ahnt nicht, dass das mal so schlimm endet.

Und die Musik? Keine Sorge, die Jungs hier sind Experten: Die Rhythmusfraktion leistet ganze Arbeit. Bass und Schlagzeug treiben den Sound pulsierend nach vorne. Oft denke ich an Trend, öfter an Fugazi um die Jahrtausendwende und gar nicht so selten an The Doors. Hört sich komisch an? Vielleicht, aber die Hitdichte überzeugt dennoch. Meine persönlichen Favoriten sind „Winter“, „Beisitzer“, „Huch“ und „Reden ist silber“.   

Telemark – input/out LP+CD

Mit dem neuen Album sind Telemark schon verdammt nah dran an der Idee des perfekten Langspielers. Ich kann es gar nicht in Worte fassen, aber waren Telemark schon immer so groovy? Haben sie schon immer so eine Wucht gehabt? Und überhaupt, waren sie schon immer so abwechslungsreich?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, will es gar nicht wissen, denn sonst wäre mir wirklich etwas entgangen. Telemark sind mal wavig kühl, dann wieder kurz noisig, tönend und laut. Und erst dieser immer wieder manisch treibende Beat, der die Songs nach Belieben treibt, döppt, bremst und wieder nach vorne peitscht. Das könnte genauso gut ein Joint Venture von Goldenen Zitronen und Trend sein. Textlich bieten Telemark auch so einiges an identifikationsstiftenden Chimären an, die zur näheren Betrachtung einladen, denn einerseits wirken sie manchmal kryptisch (Der Wortort), sind oft aber sehr konkret (z. B. Menschomat oder Schokolade). Dabei setzen sie sich geschickt in den Hiatus zwischen Zeitgeist- und Gesellschaftskritik einerseits und dem sehr subjektiven Empfinden. Und wem es dann zu viel wird, dem „wird schon“ am Ende geholfen. Hört sich jetzt verwirrt an? Ist es auch, denn diese Scheibe macht bemerkenswerte Brause im Kopf. Schön, dass sie zudem solche Hitqualitäten hat (mit den Duisburger gute Laune-Hits: Jammer Jammer Hey!, Kaputte Köpfe, Menschomat, Nicht wollen wollen u. A.). 

YASS – Things that might have been LP

Ja, bin ich denn jetzt der Haus- und Hofberichterstatter vom Salon Alter Hammer? Aber was will ich mich beschweren? Drittes Release, wieder dieselben Leute, die auch schon bei Telemark, Storno, Ten Volt Shock und Kurt mitspielen. Und wieder was Anderes, was Geiles. Diesmal wird auf einen Sequenzerteppich eingedroschen. Das erinnert herrlich an europäischen 80er-Sytnthie-Wave-Sound vom Schlage Front 242. Dazu natürlich das noisige Stonerrock-Gemisch, das auch schon KURT unnachahmlich hinzauberten. Das passt wieder erstaunlich gut. Wie darf man das Genre nennen? Industrial-Noise-Core fände ich passend. Kommt garantiert auch gut bei voller Lautstärke im tiefergelegten Dacia vom Michael Will.

Bitte, bitte: Fußballwunder!!!

Morgen spielt mein Verein um seine Existenz. Nach einer restlos verkorksten Zweitligasaison besteht nun die Möglichkeit, sich noch einmal mittels eines Kraftakts auf dem Relegationsplatz zu halten, um gegen Würzburg dasselbe noch zwei Mal zu wiederholen. Damit wäre die Saison gerettet und ein Fußballwunder geschafft, das niemand, ich am allerwenigsten, dem MSV Duisburg noch zugetraut hätte.

20150503_140219-1Ein anderes Szenario ist aber ebenfalls nicht unwahrscheinlich. Und das ist noch um einiges symbolträchtiger: Die Fußballabteilung des Getränkeherstellers Red Bull ist nicht charakterschwach und/oder die Zebras scheuen im falschen Moment richtig. Der Traditionsverein steigt in die endgültige Bedeutungslosigkeit ab, um sich später zu den beiden Rot-Weißen oder wie sie alle heißen für eine letzte Saison in die Palliativabteilung Regionalliga West zu begeben, während RB Leipzig sich auf Dauer in die bunte Plastikwelt der 1. Bundesliga einkauft.

Gerne würde ich ja noch ein Jahr in der zweiten Liga sehen, die sich aus meiner Sicht als die deutlich attraktivere Alternative der beiden Bundesligen erweisen würde: 1. FC Kaiserslautern, St. Pauli, F95, 1860 München, Arminia Bielefeld, VfL Bochum, KSC, Union, Hannover 96 und zwei aus FCN, VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt. Ja, ich schreib es ungern, natürlich auch so ein Asiverein wie Dynamo Dresden ist attraktiver als Ingolstadt, Hoffenheim, Leipzig und Wolfsburg zusammen, wenn auch nur, um sie als stereotypes Feindbild für den braunen Osten zu haben.

20160514_122433.jpgEin weiteres Jahr, attraktive Gegner und eine einigermaßen volle Gästekurve wären mir ganz recht. Besser wäre nur noch das dritte Szenario: F95 ist so besoffen vor Glück, dass sie mit drei Toren verlieren und RB wäre die charakterlose Legionärstruppe, die sie angeblich sind. Dann wäre meine heile Fußballwelt kurzfristig wieder endgültig im Lot.

Eisenpimmel- Viva la nix (alle 6 Seiten)

So, der Review für das neue Plastic Bomb ist jetzt fertig geworden. Und er ist so unfertig, wie nur jede Kritik am neuen Eisenpimmel-Album sein kann, denn hier handelt es sich um schlichtweg um Musikgeschichte. Daran werden sich noch viele die Zähne ausbeißen, weil hier steckt soviel Grips, Liebe und Genie drin, wie ich es noch bei kein Album Eisenpimmel-Viva la nixzuvor schreiben konnte. Und ich bin heilfroh, dass es auch ohne den – zweifelsohne vorhandenem – künstlerischen Überbau funktioniert. Ich hatte nämlich ordentlich Angst, Siggi und Bärbel könnten sich hier ordentlich verheben tun und so ein “gewollt, aber nicht gekonnt”-Album produzieren, dem man das Bemühen anerkennt, aber dem die Hits fehlen. Dem ist nicht so, denn hier wären mindestens ein dreckiges Dutzend Singleauskopplungen für die nächsten Jahre drin:

Ass im Ärmel bietet Punkrock mit Botschaft: ‘Würde ist ein Konjunktiv und das Letzte, was wir verlieren’.

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EISENPIMMEL – Viva la nix Seite 1

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Die Spannung wächst, die neue Eisenpimmel-3er LP Box / Do CD liegt vor.

16:36 Overtüre / Theme from Nix

Eisenpimmel machen ernst: Trommelwirbel und das Girokonto spricht den Prolog. Nein, das ist nicht lustig, das kann kein lustiges Album werden. Es geht um Geld und Verteilung. Der Albumtitel “Der Untergang des monetären Wirtschaftssystems (aus Sicht eines Girokontos)” ist nicht als Scherz gemeint.

16:46 Auf der nach Problemen

Ich bin perplex: Ein richtig wütender Opener gegen Deregulierung. ‘Kontra Entwicklung  – pro Stagnation’: Eine Hymne gegen die Zukunft. Brilliant.

16:50 Steig in den Stoff

Eisenpimmeltypisches Gespräch vorm Kiosk. Das arme Land als traurige Pfandflaschensammlerin gegen Kapital und Großinvestor.

16:53 Hier kommt Ärger

Das arme Land rebelliert und begehrt auf.

16:55 Wat geht mit ficken?

Der notorische Defizitsünder will nicht viel. Wer findet das nicht sympathisch.

17:00 Drei Stunden große Schnauze

Große Fresse hat der notorische Defizitsünder. Man klar, er will nicht viel, aber in Zukunft gibt es da ganz leicht noch weniger.

So, die erste von sechs Seiten ist gehört. Und es ist ganz klar: Sie haben ihr vorhaben durchgezogen, eine komplette Neuausrichtung der Band damit zu wagen. Es ist ein Konzeptalbum, eine Rockoper, Punk-Musical oder was auch immer mit ganz klarer Ansage. Hier versteckt sich in jeder Äußerung Systemkritik, ohne das Eisenpimmel grundssätzlich von ihrem Stil abweichen würden. Die Sprache bleibt, die Mucke ist bombastischer… Es gibt einen deutlichen Subtext und globale Probleme der Finanzwirtschaft werden auf den kleinen Horizont der Duisburger Trinkerszene projeziert. Das ist ein ganz schwerer Spagat, den sie bis jetzt souverän hinkriegen.

Ich werde mir für den Rest deutlich mehr Zeit nehmen. Das kann man unmöglich mal eben kurz machen. Für die neue Eisenpimmel brauche ich jetzt Zeit, genau wie das bei einem FM-Einheit-Hörspiel oder einer neuen Goldene Zitronen wäre.

 

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