OX #174:mit Millenial Punk und Akne Kid Joe

AKNE KID JOE auf dem Cover, gefühlt mit demselben Foto wie vom letzten Mal. Im 7(!!!)-seitigem Interview sagen sie, dass viele Leute Ironie nicht verstehen. Hm, das ist ja auch superschwierig, wenn man derart komplexe und doppeldeutige Texte wie sie raushaut. Ich finde ja auch, dass sie seit Jahren die beste Band neben TEAM SCHEISSE sind. Und da ist es nur richtig und wichtig, dass sie über die neue Platte, den Aufnahmeprozess, Social Media, Besetzungswechsel, große Festivals (die endlich auch für Frauen offen sind), ihre psychischen Probleme und ihre wichtige Einschätzung zu Wahlen/Rechtsruck und Nahostkonflikt reden. Schließlich kommen die sonst nirgends zu Wort!

Die BEATSTEAKS, von denen ich exakt keinen Song kenne, haben sich glücklicherweise nicht aufgelöst und machen vermutlich auch eine spannende neue Platte auf ihrem eigenen Label. Prima, dass mit FRANK TURNER auch ein so ehrlich hart rockender Sympathikus in meine Welt eintritt. Scheint ein ganz vernünftiger Typ zu sein. Schade, dass die Musik nicht hörbar ist.

Apropos, FRANK TURNER, ich meine tatsächlich eine Abnahme der Bartquote bei den Bands im Ox wahrzunehmen. Daumen hoch dafür!

RAWSIDE geben dann ein ähnliches Interview wie im Plastic Bomb, mit dem feinen Unterschied, dass Wolfram sie auch kritisch zu der Nähe eines Songs zu rechten Narrativen befragt. Spannend, dass Henne dazu sagt, dass der Text von „Verboten in Deutschland“ eher aus jugendlichem Leichtsinn heraus entstanden ist. Geht doch! passiert mir auch mit manchem Text, den ich so raushaue. Dass ich in meinem Leben nochmal was von GERM ATTACK lesen würde?  Knaller! Da ist dann tatsächlich der Früh-90er-Film wieder aktiv im Gehirn: Gockel, The Bernd und gemeinsame Momente. Toll, jetzt weiß ich, warum wir alte Leute so auf alte Geschichten stehen. Das geht den Millenial Punk Machern wohl genauso. Die haben einen Film über die erste Generation gemacht, die für ihr Punksein keine Widerstände überbrücken mussten, sondern offene Türen einrannte. Schön, dass sie sich selbst ein Denkmal dafür setzen. Mega! Joachim fragt da durchaus kritisch nach. Geschmack beweist er hingegen mit der Wahl der LOVELY EGGS. Die sind echt süß. Gleiches gilt für ERNTE 77, die an anderer Stelle zu Wort kommen. Am lustigsten lesen sich die Kurzbesprechungen von Thomas Kerpen, auch wenn er leider überhaupt keine Ahnung von Musik hat. Für die Formulierungen liebe ich ihn.

Gerne lese ich auch die Kolumnen im Heft.Und da natürlich Karl Heinz Stilles „Stimme der Vernunft“. Da versteckt sich viel Weisheit. Lustig seine Ausführungen zu den misslungenen Rock-O-Rama-Plattencover. Ja, natürlich findet man auf den 172 Seiten genug, wenn man die Widerstände überwunden hat, die mit dem Cover verbunden sind. Über MODECENTER, OIRO und JENNY DON‘T  kann man gar nicht genug schreiben zum Beispiel. Da höre ich sogar die Musik gerne. Oder die schrecklichen Wahrheiten über die RAMONES, die uns glücklicherweise nicht vor Leopardengardine und Heizkörpern serviert werden.

3 Kommentare

  1. Ich hab mir zwei Songs von der neuen AKaJott angehört, zahlenmäßig analog zu ihrem Auftritt beim Ox Fest vor ein paar Jahren. Die machen nicht nur immer dasselbe Lied, auch thematisch wird da wahrscheinlich mittels whiteboard im Proberaum versucht, den Zeitgeist möglichst genau zu treffen. Kann mir gar nicht vorstellen, wie da über sieben mikroskopisch beschriebene Seiten nicht von selbst darauf gekommen wird, dass alles, was sie vorgeben zu sein, maximal unironisch und vor allem banal ist. Beispielhaft: „Vintage store, genau mein Humor“… diese Zeile wird im so betitelten Lied circa 100mal gesungen. Als Selbstbeschreibung wäre es maximal ehrlich, als ironischer Text? God only knows…

  2. Boah Swen,
    hat echt 24 hr. gedauert, bis ich gemerkt habe, das deine Einstellung zu AKJ nicht wirklich ernst gemeint war, du Schelm.
    Ich finde diese Band, ebenso wie TS, so was zum Kotzen, können die nicht ne andere Mukke machen? HH Schule oder so? Dann käme ich nicht in die Gefahr , den Mist auch noch hören zu müssen.

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