Von der Layoutkrise des Monopolisten
Ox #187 und #188
Auffällige Neuerung an diesen beiden Oxen sind die Cover, die nämlich nicht von den üblichen Verdächtigen gefüllt werden, die meist ja eher für ihr Lebenswerk geehrt wurden. Vergleichsweise kleine Bands finden sich mit SOKO LINX und DIE VERLIERER auf der Pole Position. Und die beiden Bands werden entsprechend gefeatured. Damit versucht Joachim sich mal als Trendsetter. Und tatsächlich kann ich mich dem Charme der Verlierer nicht entziehen. Ist zwar retro und irgendwie schonmal dagewesen, aber eben nicht in der dargebotenen Weise. Erstaunlich wieviel Wärme ihre düstere Musik erzeugt. SOKO LINKS können mich mit ihrer bemühten Art higegen so gar nicht abholen.
Das geht mir leider mit dem Layout oft so, dass zwar pragmatisch, praktisch und gut ist, um möglichst viel Text unterzubringen, aber so überhaupt nicht zum Lesen anregt. Und damit meine ich nichtmal die Schriftgröße. Ich erwische mich immer wieder, wie ich lustlos weiterblättere. Und dabei entgeht mir so manches Kleinod. Glücklicherweise bleibt das Heft etwas liegen, so dass ich die Unter Augenhöhe-Kolumne von Jannes von Richthofen zum Thema KI noch später lese, der zurecht schreibt, dass die Arbeitsweise von kommerziell-erfolgreich-sein-wollenden Bands schon lange vor KI dieser ähnelte.
Dazu gibt es die Interviews zur 50 Jahre Punk-Veranstaltungstour mit John Robb und Mark Reeder. Beides ja irgendwie geile Typen, aber je mehr ich von Punk-Museen und den ganzen selbstverliebten Brei lese, desto mehr verabscheue ich Punk. Davon gibt es ja leider im Heft immer einen großen Anteil. Permanent wird an der eigenen Geschichte geschrieben. Und das ist so schrecklich humorlos geschrieben und erinnert.
Die meisten neuen Bands machen auch nur alten Kram, nur halt, wie ihn eine KI machen würde, wenn sie mit den ewig gestrigen Prompts gefüttert würde. Nur wenige Bands wie Ceremony, meinetwegen, fügen dem eine neue Note zu.
Aber solche Entdeckungen gehen im Layout, ich erwähnte es, einfach unter. Auch wäre es nicht schlimm, über langweilige Bands zu lesen, wenn die Aufmachung etwas mehr Mut zur Offenheit hätte. Die Zeichenvorgaben werden strickt erfüllt und oft auch aufgefüllt. Dabei könnte ein ansprechendes, großzügigeres Layout mit deutlich geringerem Textanteil echt was ausmachen. Dafür etwas mehr Liebe zu dem jeweiligen Thema, die auch sichtbar ist. Ich weiß, es ist schwierig, wenn man alle zwei Monate liefern muss, aber es wäre schon schön, wenn es einen Fanzineteil im Heft gäbe. Allein die Ästhetik, die sich bei den Verlierern anböte, wären auch ein Zeichen von Wertschätzung.Ein Artikel über die Cramps, mein Gott, was böten sich da für tolle Spielereien an.
Ich würde es feiern, denn das Ox ist schließlich das letzte Heft von solcher Verbreitung im Print. Ach ja, lesenswert im neuen Heft neben Die Verlierer, Tramhaus und Die Anstalt (weil beste Neuentdeckungen für mich) sowie Muff Potter (weil beste deutsche Band derzeit).

Antworten