Schade, dass ich nicht dabei war
Meine bessere Hälfte Mari bekam Karten zum Geburtstag für das Konzert des Antilopen Gang-Mitgliedes geschenkt. Ihr lest den Plural richtig: Geplant waren die Karten für uns beide. Aus Versehen hat sie mich dann gestern Abend vergessen, als sie die Wohnung mit ihrer Danger Dan-Bomber-Gedächtnisjacke verließ.
Gerade eben hat sie mir aber freudestrahlend, in ihrem Keine Angst-Kapu gekleidet, vom Konzert des Jahres erzählt, so dass es für mich war, als ob ich bei dem 60-Euro-Spaß-pro-Person dabei gewesen wäre.
Ich selbst bin ja Riesenfan, spätestens seit dem Kunstfreiheit-Lied. Entsetzen erfasste mich auch, als ich von dem Riesenskandal um den Keine Angst-Song in der Satire-Sendung Die Anstalt hörte. Schlimm! Das hätte ich vom ZDF nicht erwartet, wo doch der Song eindeutig satirisch ist.
Nun, was verpasste ich: Also 1500-2000 Menschen mussten stehen, obwohl das Besteck eher klassisch ausgelegt war. Das Bühnenbild war opulent und das Publikum divers. Divers genug, um zu Beginn mürrisch Danger Dan-Radio hören zu müssen, womit die halbstündige Verspätung des Beginns überbrückt wurde. Sicherheitshalber wurde das Publikum dann vom Meister himself über die Regeln des Anstands informiert.
Marion fand es gut, dass er da wirklich auch nichts ausließ. Man kann ja nie sicher sein, ob sich an so einem Abend womöglich doch ein Dieter Nuhr-Fan im Publikum ein T-Shirt vom Körper reißt.
So könnte einem fröhlichen Abend, der Mut zuspricht und alle Anwesenden empowert, nichts mehr entgegenstehen, außer vielleicht das dauerquatschende Pärchen vor ihr.
Wer gedacht hätte, hm, das wird ja schwierig, mit dem eingeschränkten Programm einen ganzen Abend zu füllen, sollte eines Besseren belehrt werden. Belehrung und Information standen schließlich hoch im Kurs. Hoch genug, um zwei kurzweilige Stunden inklusive Zigarettenpause zu füllen.
Auch seine Schulzeit besang er. Habe ich übrigens schonmal erwähnt, dass ich einen tollen Lehrer in der Schule hatte, der Herr Lehmann hieß und von allen nur Lähmmann genannt wurde. Ups, ich schweife ab.
Er startete mit „Die meisten meiner Freunde“ und Mari wusste sofort, hier gehörte sie nicht hin. Aber Danger Dan gab nicht auf. Er erklärte „Warum es nicht geklappt hatte“, erklärte dies und das. Er animierte das Publikum zu spenden, denn wer 60 Euro für ein Ticket und 7,50 für ein Bier hat, kann da locker ein paar Scheine in die Dose gegen Nazis packen. Leider erzählte er nichts zu der Geschichte zu Keine Angst, von der Mari ja so gerne mal ein paar deepe Facts gehört hätte. Zur Entschädigung animierte er aber das Publikum zu Keine Angst-Sprechchören.
Alle seine Nichten hatte er auch im Publikum geparkt. Können aber auch ein paar mehr gewesen sein, die vorne standen. Keine Frage für Mari, dass sie es toll fand, dass gerade kleine Kinder auf einem Wohlfühlkonzert waren, auf dem sich wirklich alle wohl fühlen sollten.
Vielleicht, so sagte sie, hätte sie sich nicht so viele Stimmungshits gewünscht. Ständig diese Gute-Laune-Songs waren dann bei der Ernsthaftigkeit doch etwas viel für sie.
Tja, und ich bin jetzt todtraurig, nicht dabei gewesen zu sein. Aber dann sage ich mir, man muss auch mal gönnen können und nicht überall dabei sein.

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