Nix für Depressive: LOVE As Meisterwerk – Meisenstaat 

Der Titel ist zwar eine schöne Referenz auf Knochenfabriks „Ameisenstaat“, aber das Album ist künstlerisch eher in der Tradition von Tocotronics Kapitulation zu hören. Es handelt ein wenig vom Aufgeben oder Ausbrechen aus dem Hamsterrad und ist damit für mich wie ein Soundtrack der letzten Jahre. „Wie der Hase läuft, ist dem Fuchs egal“ ist so eine Textzeile, die für mich Spiegel der Welt ist, wie ich sie wahrnehme. Völlig ohne Motivation tut man die Dinge, die man tun muss. Man weiß schon lange nicht mehr wofür, hinterfragt nichts, tut einfach. Alter Falter, das Album berührt mich mehr, als es meine Therapeutin gut fände. Dabei ist die gefühlte Seelenverwandtschaft vermutlich das, was Hoffnung gibt, denn die Schönheit dieser Musik ist es, die den Wert des Lebens ausmacht. Das ästhetische Empfinden ist so ein Reiz, der noch was auslöst. Das Heer der Entmutigten findet sich hier wieder, erkennt die Absurdität und kann vielleicht einen existentialistischen Funken Lebensmut finden. Dass die Texte nicht so durchdacht sind, ist mir eigentlich egal, denn in Jörkks Assoziationsgewitter fühle ich mich ziemlich zu Hause. Und musikalisch bietet das so ein passendes Vehikel… ich bin echt baff, mir fehlen die Superlative, echt jetzt. LOVA A haben das, was mir bei vielen sogenannten Postpunkbands, wie beispielsweise DIE NERVEN, fehlt: Nennen wir es mal Herz.

Album des Jahres für mich, allerdings, deswegen die Triggerwarnung, sollte man es wirklich nicht hören, wenn man gerade zu schlecht drauf ist. Das Album kann ein Schlund sein, der depressive Menschen auch mal ganz runterziehen kann.

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