Ox fanzine 186: Punkrock, Hardcore und Rock’n’Roll

Triggerwarnung: Die Toten Hosen hören auf

Das Ox erschlägt mich mal wieder mit Text, Text und Text. Das Telefonbuch der gitarrenlastigen Untergrundmusik hat davon, wie in den 187 Ausgaben vorher genug zu bieten. Und wie immer, muss ich mich überwinden, genauer hinzuschauen, denn das ewig gleiche Layout ist für mich die gläserne Decke, die den Inhalt erst einmal verschließt. Das war früher beim Trust ähnlich, denn ich konnte irgendwann die ganzseitigen Fotos mit dem Textblock daneben nicht mehr sehen. Hier ist es das Funktionale, das natürlich der Sache geschuldet ist, dass hier Text, Text, Text und Text untergebracht ist und alle zwei Monate geliefert wird. Aber was rede ich, ich hatte meine Chance als Fanziner, es besser zu machen.
Natürlich mag ich immer wieder die Stimme der Vernunft vom Kalle lesen. Seine Gedankensplitter zum Seniorenalltag lese ich beim Blättern immer wieder ein Stückchen weiter, bei der Kolumne von Joachim zum Wintersport erinnere ich mich daran, dass meine Zähne durchaus noch vollständig die zweiten sein könnten, wenn ich in den 90ern da nicht ebenfalls recht gut im Geschäft gewesen wäre. Nils kann der Aufmerksamkeitsökonomie nicht entfliehen und mag keine Banddokus mehr sehen. Ich übrigens doch, aber absolut nur von Musikern, die mir absolut nichts bedeuten. Im Idealfall irgendwelche Tony Marschalls oder so. Die sind spannend. Darum ist das Interview mit Jäki Eldorado auch so erfrischend. Seine Erzählungen aus dem Leben als Tourmanager sind sicher Höhepunkt des Heftes.

Die Dead Pioneers als Titelthema? Okay, wer sich gerne belehren lassen will, ist prima aufgehoben. Musikalisch find ich sie okay, aber wenn ich das Gerede von Klassenbewusstsein für arbeitende Menschen lese, das Abe Brennan von sich gibt oder schlichte Fake-News, wie dass ICE-Agenten über ein größeres Budget verfügen als das Militär, dann schalte ich ab. Wenn sich Sänger Gregg, wie er später im Interview sagt, verpflichtet fühlt, auf jeder Plattform ehrlich zu sein und das zu sagen, was ich sagen muss, dann kann man wohl von Bärendiensten sprechen.

Einen längeren Artikel von Roman Eisner zum Verhalten gegenüber dem Trump-Regime gibt es zu lesen. Gerade der angedeutete Vergleich bzw. das Gedankenexperiment, wie es denn in Deutschland aussähe, wenn die AfD übernimmt, löst in mir Beklemmung aus. Ich schließe mich einerseits den Gedanken im Exkurs zu Deutschland 2026 nur bedingt an, habe aber keine andere Idee.

Kommando Marlies bekommen ihren wohlverdienten Platz und die Failed Teachers aus der Schweiz sind ein bisschen lustig.

Ach ja, beinahe überlesen: Die Toten Hosen sind natürlich die beste Band der Welt (Begründung hier) und es gibt endlich mal etwas über sie zu lesen. Finde es ja erschreckend, wie das Thema des Abschieds von Kampino, Kuddel und Ko so totgeschwiegen wurde. Dabei kann man gar nicht genug von ihnen lesen. Umso erschreckender zu lesen, dass sie aufhören. Ob die Sportfreunde Stiller, die auch interviewt werden, diese Lücke jemals werden füllen können?

 

 

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