Hawaiians im Biergarten Vierlinden

Jung, gutaussehend und bestens gelaunt

Und warum Porno nicht immer gut ist

Die Hawaiians rufen, Mari und ich folgen dem Lockruf zwischen die vier Linden in den danach benannten Biergarten, der ja hin und wieder die eine oder andere Perle auf die dortige Freiluftbühne zieht. Was will man bei 38° auch anderes machen?

Bange Blicke in die sozialen Medien, ob denn das Konzert vielleicht doch noch abgesagt werden würde, bleiben unerwidert. Und so geht es mit der zunächst lecker unklimatisierten Rheinbahn und nach dem Umstieg vollklimatisierten Rheinbahn Richtung ehemalige Philipshalle.

Am Eingang werden wir netterweise persönlich von Beppo begrüßt, dessen Sohn dazu verdonnert wurde, das Merchandise für die Band zu verticken, was er auch mit bewundernswerter stoischer Ruhe tut (ohne Handy in der Hand). Erstaunlicherweise trägt Beppo ein stilechtes Sisters of Mercy-T-Shirt, was wohl die unsichtbaren Linien zum Düsterpunk erklärt, die sich auf der anderen Seite in Hans Hawaii manifestieren, der ja als Kai Strafe gerne in dunklen Kellern feiert. Wir werfen uns diesbezüglich ein paar Bälle zu und erfahren, dass der Hauptakt dieses Abends John Porno Punk Explosion heißt. Covern sollen sie, und ich denke an Chefdenkers ‚Coverbands ist die Zukunft‘. Auch dass am Wochenende zuvor ein Band Porno al Forno hieß, die ebenfalls covern würden. Mit Porno haben es die lustigen Düsseldorfer offenbar. Nun denn, wir sind erstmal guter Dinge, denn die Hawaiians sind in guter Spiellaune und das anwesende Publikum scheint von der Wucht der Band etwas überrascht. Sie sind ja auch eine wunderbare Poserband! Jede Geste stimmt und die Stücke fliegen im Wechsel oder wechseln auch im Fliegen. Da ist keine Luft zum Atemholen oder gar Späßchen mit dem Publikum zu treiben. Dabei läge es ja auch auf dem Tisch zu sagen, dass man aus der Nähe von Meppen kommt und gerade in die dritte Liga aufgestiegen ist. So ähnlich wie die Fortuna sozusagen. Aber die Hawaiians sind freundliche Gesellen und spielen lieber eine Coverversion vom Auswärtsspiel der Hosen auf Spanisch. Das zaubert ein verzücktes Lächeln in einige Gesichter im Publikum. Ansonsten habe ich den Eindruck, dass das Publikum etwas überfordert mit dem ADHS-Poppunk der Niedersachsen ist. Vielleicht brauchen die auch noch alle Energie für später, was sich erschreckenderweise später bewahrheitet. So geht es nur mit kurzen Trinkpausen von Hit zu Hit. Wer die Hawaiians kennt, weiß wie gut das ist. Nichts kommt vom Band, um künstliche Perfektion herzustellen, alles ist echt und tight.
Nur leider ist es irgendwann sogar vorbei. Und was danach kommt, ist an Schrecklichkeit kaum zu überbieten. Nach dem Opener von Rudy Carells Hit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ geht es hinab in die Tiefen des schlechten Geschmacks. Ich hatte mich schon immer gefragt, ob es was schlechteres gibt als die Broilers oder Feine Sahne Fischfilet. Hier bekomme ich die Antwort: Eine Band, die diese Bands covert! Dem Publikum gefällt es, ich hatte es geahnt. Die Band soll ja nett sein, aber das hilft doch nicht. Wie kann man so wenig Würde haben? Dazu Trallalla-Ooh-Oh-Ohh-Versionen von Joe Strummers Coma girl und New Model Armys 51st State. Jedem, dem diese Musik einmal etwas bedeutet hat, bluten die Ohren. Wir treten die Flucht an und beruhigen uns Abends mit Florian Silbereisens Schlagerabend im TV.

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