Dreimal Mad Butcher: Fatal Blow, Alois Mentasti & Betty Rossa mit Kapelle

KI-generierter Reviewspaß mit Vasco. Danke, Alphabet!

Fatal Blow „The sharp end“ CD, Mad Butcher Records

Ein neues Album der walisischen Oi-Band Fatal Blow sorgt immer für FrOi!de bei mir, so auch diesmal. Schon das schlichte, aber kraftvolle Cover sagt alles: working class pride gegen Rassismus und Ausbeutung. Das Booklet mit Texten und Fotos unterstreicht dann noch, was das Trio hier mit traditionellem Oi/Streetpunk darbietet, kraftvoll und melodisch. So wie die Texte kommen nämlich auch diese zwölf neuen Lieder wieder schnörkellos und so unspektakulär wie mitreißend daher. Musikalisch wie textlich wieder the real thing: kein Gejammer, kein Gepose, kein selbstverliebtes Getue, sondern klare working class attitude. Es geht um schlechte Jobs mit Löhnen, die nicht für die Miete reichen, es geht um verwaiste Läden in den Innenstädten und das Verschwinden der Industrie, es geht um Fake News und wie sie damit die Leute spalten, es geht um Patriotismus und wie die Reichen und Mächtigen damit die Leute klein halten, es geht um arm und reich, aber auch ein paar szene-typische Themen wie Straßengewalt oder besserwissende und respektlose Neuankömmlinge in der Szene, und für eine britische Band ist wohl auch ein Text wie Tin Pot Dictator oder ein -im nahen Irland noch immer ziemlich relevanter- Text gegen die Kirche bemerkenswert. Und alles schön verpackt in knalligen, melodischen old-school-Oi/Streetpunk-Hymnen, mit Chören, kraftvollen Gitarren und was sonst noch dazugehört. Oi fucking Oi!

 

Alois Mentasti „Am Aufbau unseres Staates aktiv Teil zu nehmen“ CD, Mad Butcher Records /Archiv der sozialen Bewegungen/SPÖ Bauern

Das ist eine etwas ungewöhnliche Mad Butscher Veröffentlichung, nämlich die Rede des SPÖ-Arbeitsbauern-Vorsitzenden Alois Mentasti aus Oktober 1945. Österreich war gerade aus Nazideutschlands herausbefreit und suchte seinen Weg zurück in die Demokratie. Und wie der Titel sagt, zog besagter österreichischer Sozialdemokrat hier einige Linien, die insbesondere aus der Sicht der Bäuerinnen und Bauern einen neuen, demokratischen Staat Österreich ausmachen sollten. Die Rede und deren Tonaufnahme war bisher unbekannt, und stellt das einzige Tondokument des österreichischen Sozialdemokraten Mentasti dar. Dieses CD, die noch von drei Neuaufnahmen von Kampfliedern der Zeit in der Interpretation der „Kapelle Gigs“ ergänzt wird, erschien zum 100. Geburtstag der SPÖ-Unterorganisation „SPÖ Bäuerinnen und Bauern“ und kommt als Digipack mit einem informativen Booklet, in dem die komplette Rede und die Liedtexte nachzulesen sind und auch weitere biografische Hinweise zu Mentasti und seiner Zeit bzw. dem historischen Zusammenhang der Rede und der Liedtexte zu lesen ist. Also kein besonderer musikalischer Genuss, sondern eher etwas dokumentarisches, für Interessierte an der frühen Nachkriegszeit Österreichs, die hier ein interessantes Zeitdokument bekommen.

Betty Rossa & Kapelle „Paloma de La Paz – friedensfähig statt kriegstüchtig“ CD, Mad Butcher Records

 Also, hiermit verhält es sich für mich persönlich folgendermaßen: inhaltlich natürlich lobenswert, denn für Frieden und gegen Ungerechtigkeiten aller Art, gegen Krieg und kapitalistische Ausbeutungslogik bin ich auch, und das kommt ja aktuell leider immer stärker aus der Mode, je drängender und offensichtlicher die Probleme werden. Ansonsten aber mag ich an diesem Album und seinen 22 Stücken nicht viel. Was ich mag: der Wunsch nach einer besseren Welt und die Grafiken im informativen und lesefreundlich aufgemachten Booklet. Was ich nicht mag: alles andere… die Musik ist so gar nicht mein Geschmack, die nett gemeinte, aber mich so gar nicht überzeugende Interpretation von bekannten Liedern, insbesondere „Das war eine schöne Party“ (die eigentlich sehr charmante deutschsprachigen Version von France Galls eigenem Eurovisions-Hit von 1965 „Poupée de cire, poupée de sou“, hier aber ohne jeden Charme leider), und überhaupt dieser ganze Duktus zwischen betroffenem, beleidigt-vorwurfsvollem und weltfremden Tonfall, auch noch vorgetragen in einer Stimme, die ich auch nicht mag. Da hab ich wohl Pech gehabt. Ich habe gelegentlich schon eine Schwäche für so „revolutions-nostalgische“ Sprache und Parolen, aber wenn die Interpretin hier mit alten Liedern aus oder über Spanischen Bürgerkrieg, Bergarbeitern oder die italienischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg die heutige Krise anprangern will, dann erreicht sie höchstens diejenigen, die diese oder ähnliche Lieder selber schon seit ewigen Zeiten hören und singen. Preaching to the converted. Kommt mir dabei auch irgendwie vor wie diese linken Studenten in den 1960ern, die voller Enthusiasmus und Wut die Arbeiterklasse zur Revolution antreiben wollten, mit Parolen, die diese gar nicht verstanden, und die sich deshalb lieber dem Konsum und der Ablenkung widmeten und als Dankeschön die Studenten, die sie befreien wollten, als arbeitsscheue Vaterlandsverräter beschimpften. Kein Agitationspotential mangels gemeinsamer Lebensrealität und wegen falscher Themensprache, würde ich sagen. Bestenfalls kann es solchen Personen Mut machen, die sich eh schon engagieren und heutzutage eher selten Zuspruch und Unterstützung ihrer Überzeugungen finden. Mich allerdings spricht diese Sprache hier nicht an, die Musik erst recht nicht. Naja, vielleicht bin ich hier auch einfach der falsche Adressat. Denn wie bereits gesagt: diese inzwischen völlig alltägliche Kriegsrhetorik, den diese CD anprangern möchte, finde ich ebenfalls sehr gefährlich und unerträglich. Diese CD finde ich aber leider auch unerträglich. Letztere ist zum Glück nur Geschmacksache, und kann zum Glück sehr einfach vermieden werden von mir, ersteres leider nicht. Nun denn, mir muss ja nicht immer alles gefallen, was auf Mad Butcher erscheint.

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