Ein Gespräch über das Schreiben und die Musik
Als „Nagel“ trat Thorsten mit seinem Fanzine Wasted Paper, das er mit Wiesmann zusammen betrieb, in mein Leben. Dort machten sie ungefähr das, was ich mir unter einem geilen Fanzine vorstellte. Mit Muff Potter startete er durch, womit ich zunächst etwas fremdelte. Nicht mit dem Durchstarten, sondern mit der Musik ging es mir ähnlich wie mit Turbostaat, den Jens Rachut-Bands etc. Ich konnte damit nicht so recht was anfangen. Alle anderen schon. Erst als dann der Erfolg der Band größer wurde, für die engstirnige Punkszene der späten 90er vielleicht und beginnenden Nuller vielleicht zu groß, begann ich mich für sie zu interessieren. Was waren das für wunderbare Texte, verwobene Geschichten und wie toll klappte das mit der musikalischen Umsetzung. So viele kleine Verweise auf das Gute in der Musik, die ich erst dann entdeckte. Da schrieb Thorsten schon eine Weile Bücher. Warum ich die nicht las, obwohl ich Thorsten sowieso schon immer sympathisch fand? Vielleicht, weil ich so Szene-Autoren grundsätzlich nicht traute, dass sie anständige Literatur hervorbrachten. Ein Fehler, denn selbst die autobiografischen Romane gehen über den soliden Standard und sentimentales Schwelgen in Erinnerungen hinaus. Spätestens mit „Soledad“ erreicht er für mich den Olymp der Autoren. Dass auch das „Bei aller Liebe“-Reunion-Album von 2022 in meinen Ohren das bisher beste ist, passt für mich. Thorsten Nagelschmidt fängt vermutlich gerade erst an. Und auch das Klepto-Album vereint wieder unfassbar schöne Texte und kriegt auch musikalisch wieder eine alles andere als alltägliche Vertonung hin. Anspielungen, Spielereien und Spielfreude pur. Wie auch beim Vorgänger kann ich nur empfehlen, das Album am Stück zu hören, denn dann entfaltet es sein ganzes Aroma.
Ich mache einen Kniefall vor dem Schaffen dieses bestgekleideten Mann auf deutschen Bühnen… okay, der Schnauz sei dabei übersehen.
Wir sprechen über Entwicklung, wichtige Meilensteine und das Dasein als Künstler.

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