Mittekill – Phantom Club

Und nun was ganz anderes: MITTEKILL sind für mich die erste große Entdeckung des Jahres! Ähnlich aufhorchen ließen mich in den vergangenen Jahren vielleicht nur noch HEAVY METAL und DAS LECK. Und das tut mir natürlich unendlich leid, denn wenn eines klar ist, dann der traurige Fakt, dass ich Influencer ohne Einfluss bin. Wäre es anders, würden MITTEKILL künftig gefeiert werden, wie es die  SLEAFORD MODS immer noch zu Recht werden. MITTEKILL erschaffen einen kruden Mix aus Ambient House und trashigem Synthikrach, verbinden ernsthafte Anliegen und dadaistischen Witz und sind sich nicht zu schade auch mal richtig stumpf loszupoltern. Wer angesichts der großen Singleauskopplung „Die Leute aus dem Internet“ glaubt, schon zu wissen, was sich einem mit dem Album „Phantom Club“ in die Gehirnwindungen dreht, wird seine Überraschung erleben: Ein aberwitziger Ausbruch an Kreativität mit extrem hohem Unterhaltungswert! Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen, welche Begeisterung dieses Album in mir auslöst. Da ist Witz wie bei KNARF RELLÖM oder GUZ, stumpfes Geholze wie FCKR in schlau und selbst einen gelungenen Ausflug in Liedermachergefilde zeigt DANGER DAN, wie sowas auch in gut geht. Vielleicht würden die Goldenen Zitronen heute so klingen, wenn sie nicht ihr Lachen verloren hätten.

 

GUITAR GANGSTERS – Fortune favours the brave

Klassischer Fall von langweiligem Punkrock! Und das ist keinesfalls despektierlich gemeint, denn schließlich ist diese Genrebezeichnung seinerzeit wohlwollend von Ise eingeführt worden, die damit die musikalischen Vorlieben der Punks von der falschen Rheinseite Duisburgs beschrieb. Musik, die unbeeindruckt von den Krisen der Zeit der Fels in der Brandung bleibt. Die GENERATORS, LURKERS und 999 sind solche Vertreter und MEGA CITY 4 wären es, wenn es sie noch gäbe. Die GUITAR GANGSTERS zählen zu eben jenen Prototypen von Bands, deren großer Jahrestag zweifelsohne einmal jährlich beim Rebellion begangen wird. Ansonsten touren sie beharrlich Jahr für Jahr und erfreuen die treue Fanbase alter dickbäuchiger Männer und Frauen mit feinen kleinen Melodien in bewährter Tradition in den kleinen Clubs; eher selten verirren sie sich in ein AZ. Das machen die Guitar Gangsters im Sommer dieses Jahres auch. Dabei haben sie sich selbst ganz gut gehalten. Offenbar sprechen sie nicht nur dem guten Leben zu.

Thematisch geht’s zielgruppengerecht mit seniler Bettflucht los, um dann aber die eigene Stärke und das Dasein an sich zu feiern. Mit dem Alter gewinnt man, wenn es gut läuft, etwas Weisheit und Wertschätzung für die kleinen Dinge in einer absurden Welt. Und so ziemlich genau in die Kategorie meiner Welt passt dieses Kleinod wunderbar.

Käuflich zu erwerben und zu streamen ist es hier.

Triggerwarnung: Plastic Bomb #118

„Kostet nun endlich, was es wert ist!“ steht im Untertitel der Ausgabe 118. Das lädt natürlich zu allerlei fröhlichem Spott (Danke, Friedrich!) ein, den ich mir spare, denn für eine Erhöhung des Preises war ich schon zu Zeiten, als es noch mit CD kam und über 100 Seiten dick war. Das Heft selbst dümpelt in der miterschaffenen Blase vor sich hin und ich erfahre von der immer größer werdenden Flinta-Beteiligung im Vorwort von Ronja und komme beim Faktencheck der groß beworbenen Festivals Back to future und Krach am Bach nicht so richtig hinterher. Gefühlt spielen auf beiden Festivals die gleichen Bands, die dort immer gespielt haben und an exponierterer Stelle im Line-Up stehen sie auch nicht. Na ja, ist eh nicht meine Baustelle. Höhepunkt im Heft ist das TOCOTRONIC Interview, was daran liegt, dass ich eigentlich bisher kaum etwas über die gelesen hab, weil die ja eher in Musikzeitschriften zu Hause waren. Und als erklärter Fanboy sauge ich jetzt alles von ihnen auf. Die anderen Interviews mit Bands sind vermutlich auch auf dem oft (zu unrecht!) so kritisierten Ox-Standard (SENSITIVES, SKEPTIKER) oder knapp darunter (BÄRCHEN UND DIE MILCHBUBIS und TEAM SCHEISSE). Die politischen Themen über Geflüchtete an der Grenze Belarus/Polen, Seenotrettung und Menschen an der Außengrenze Bosniens lassen mich merkwürdig kalt, was sicher auch an der handwerklichen Aufbereitung der Artikel liegt: lesefeindliches Layout mit kleiner Schrift vor bebildertem Hintergrund.

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Triggerwarnung: Ox #160

Der Brancheninformationsdienst aus Solingen wartet mit einer für mich eher durchwachsenen Ausgabe auf. Und das liegt am neuen Hashtag Trash Metal, der im Titel auftaucht. Wenn KREATOR Titelthema ist und es dazu gefühlte 1000 Seiten Muckergequatsche gibt, wünsche ich mir doch polarisierende Themen wie BROILERS, AKNE KID JOE oder OHL. Aber Sänger Mille liefert typisches Metal-Gelaber und Kalenderweisheiten vom Schlage, dass man im Alter nicht mehr unzerstörbar sei. Was für ein Langeweiler! Wer liest schon gerne darüber, wie oft man mit den Demos ins Studio gefahren ist, um sie zu überarbeiten? Gähn! Überhaupt ist Metal ziemlich präsent: VOIVOD, ZEAL & ARDOR, VENOM PRISON und SHANTALLICA. Letztere machen genau das, was der Leser vermutet. Wem der lokale Kirchenchor zu bieder ist, der kann hier mal was richtig Flippiges erleben. Gibt es sowas auch demnächst von und mit Mörser?

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