Ox #181: Alles ist gut

Gleich mal vorweg: Ich hab‘ insgesamt ziemlich viel Freude beim neuen Ox gehabt. Dabei hat das schon mit ziemlich enttäuschten Erwartungen zu tun. So dacht ich beim Cover direkt: Waren Slime nicht erst vor Feine Sahne Fischfilet auf dem Cover? Überhaupt ist die Erwartung, jetzt einen müden Aufguss des gewohnten kredenzt zu bekommen, in vielerlei Hinsicht beim genauen Hinsehen enttäuscht worden. Zum Beispiel SLIME: Ich denke mein öffentliches Schweigen zu den ersten Veröffentlichungen der Band, in der Buddy Alex trommelt, dürfte meine Voreingenommenheit vermuten lassen. Sodann lese ich das Interview mit Elf und Nici und stelle fest, dass die beiden durchaus von den Plattitüden abweichen und einen – nicht böse sein! – total differenzierten Blick auf die eigene Geschichte und Entwicklungen haben. Ich werde also tatsächlich neugierig und höre das neue Album, und?

Und werde wieder enttäuscht. Da sind erstaunlich viele Songs dabei, die einen Platz in meinem Herzen finden. Und tatsächlich genau die Songs, die in den verschiedenen Interviews auch genannt werden. Musikalisch ist es ebenfalls eine schöne Rockscheibe geworden. Da muss ich mir die CD wohl demnächst irgendwo kaufen gehen.

Direkt im Anschluss kommt dann Diggen zu Wort und Joachim erspart uns hier jeglichen reißerischen Vibe, so dass wir vom Canarias Calling und seinen anstehenden Auftritten mit Rasta Knast erfahren.

Schlaffke reanimiert einen alten Schließmuskeltext aus dem Plastic Bomb und die RADIERER geben ein lesenswertes Interview. Beide sind ja Bands, die musikalisch durchaus unterschiedlich unterwegs waren, aber eben Spannendes in ihrer Bandgeschichte erlebt haben und den Mut hatten, sich selbst zu entwickeln, ohne als Wiederkäuer zu agieren.

Tom van Laak schildert seine Erlebnisse auf einer Spielemesse… Ogottogott, ich dachte, ich müsse mir Sorgen wegen des Ouzos machen, aber die Endstation Brettspiele, das gönne ich meinem schlimmsten Feind nicht.

Erstmal die Fanboy-Interviews mit SWAMI JOHN REIS und CHJAD PRICE (u. A. All) lesen. Ja, gute Menschen, auf jeden Fall. Die braucht es! Natürlich kommen auch in vielen Interviews die Fragen nach Trump, und die Antworten zeichnen ein Mosaik des Alltags in den Anfangstagen eines autokratischen Regimes.

Die russische Band CONFRONT STAGE ist zwar musikalisch so gar nicht meins, aber aus dem Leben einer Band zu hören, die unter den derzeitigen Bedingungen in Russland überleben muss, ist unbedingt lesenswert.

Und SCHRENG SCHRENG & LA LA? Ist schon klar, dass es Freude macht, das Interview mit Lasse und Jörkk zu lesen. Die Banddynamik lässt sich super rauslesen. Ich bin ja Fan!

Das kann ich von KREATOR nicht sagen. Da gibt es jetzt einen Film drüber. Der könnte gut sein. Ich finde ja Musikdokus, egal über wen, irgendwie immer gut. Und da der Sänger der Band auch noch aus meiner Geburtsstadt kommt, frage ich mich des Öfteren, ob ich denn, wenn ich mit 10 Jahren nicht nach Duisburch gezogen wäre, heute Metalhead geworden wäre?

Dann wäre ich vermutlich kein Leser von Helges Washington 1980-1990-Hardcore-Artikels geworden. Diese Ära gehört für mich zweifelsohne zum Kanon des guten Geschmacks.

Was sonst noch auffällt?

Anscheinend hat die Inflation der mindestens 8 bis 9 Sterne-Reviews aufgehört. Gut so!

Zum zweiten Mal in Folge fällt mir Jannes von Richthofens von Leto als Schreiber positiv auf. Er erklärt uns zehn Wege zur Gelassenheit in Bands. Das liest sich schön weg und lässt mich schon schmunzeln. Ich weiß jetzt auf jeden Fall, warum eine Band immer einen Ersatzbass dabei haben sollte

Auch auf der CD-Beilage finden sich gute Hits, die ein Abo rechtfertigen: SLIME, SCHRENG SCHRENG & LA LA, SCHLIEßMUSKEL, DISTORTION (hören sich an wie Free Yourself), VENTURAS und die DIAZ BROTHERS for example.

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