NOISE VS POETRY Vol. 2: Alles, nur nicht langweilig!

Aleks Slota

Langweilig kann sehr schön sein, wie ich letzte Woche bei den Guitar Gangsters mal wieder am eigenen Leib erfuhr. Muss aber nicht immer sein, also NOISE vs POETRY #2 im Mülheimer Makroscope. Da trifft sich wohl die kleine, aber feine Elektronik-Krach-Ambient-Gemeinde mit dem verwandten Gegenstück der schreibenden Zunft zur gemeinsamen Werkschau. Gute Chance auf Horizonterweiterung für jemanden wie mich, der keine Ahnung davon hat.

Früher war ich wohl etwas überfordert mit derlei Darbietung, weshalb mir Casi Vollmer die Triggerwarnung „Hier gibt es aber kein Oi! oder Punkrock!“ auf den Weg gibt. Ist schon okay, ich gebe mich gefasst. CARSTEN VOLLMER gibt direkt auch alles, nimmt den Raum mit hämmernden und kreisenden Bewegungen sich auf den Boden wälzend ein. Dabei hat er zwei Paddles in den Händen, die er an Gegenstände drückt, haut und streicht. Sieht aus wie ein zweckentfremdeter Defibrillator. Schocks erzeugt er damit auch. Begeistert werden Handys gezückt, die Passanten werfen beiläufig interessierte Blicke in den Raum, der dann bei PHILIP NUßBAUM leer ist, denn der liest, nein auch er performt eher, eine Nahtoderfahrung. Oder ist es nur eine schlecht geschlafene Nacht?

CAPSULAR performt hingegen mit tiefen Schlucken aus der Köpi-Flasche, während er konzentriert auf den Laptopbildschirm guckt und manchmal einen Knopf dreht. Das ist sphärisch wabernd im oberen Lautstärkebereich. Eine zusätzliche Visualisierung würde dem gut tun, weswegen ich auch die Augen schließe und feststelle: so geht‘s!

KLAUS MÄRKERT liest dann mit grundsympathischem Ruhrgebietstimbre: zwischen todtraurig und brüllend lustig. Gerne auch unmittelbar aufeinanderfolgend, so dass das Lachen schnell verschluckt werden muss. Das ist toll, denke ich, und beschließe, mir noch was von ihm zu kaufen, habe das aber vergessen. Dass der arme Mann auf 80ies-Partys auflegen muss, ist also ein Stück weit meine Schuld. Ich hole das nach, versprochen!

Dann ein großer Auftritt von ALEKS SLOTA, der echt zu begeistern weiß. Ein Künstler, der mehr zeigt, als man sehen will, weswegen man doch gebannt hinguckt. Lasziv tänzelnd, erinnert er an ein Insekt oder den Frosch mit der Maske. Stets schaut man mit der Angst hin, womöglich gleich selbst Teil der Performance zu werden, die auch irgendwas mit Einsamkeit und Masturbation zu tun hat. Ich bin fasziniert, belustigt und betroffen. Ganz groß!

Emerge bekomme ich dann leider nur noch zehn Minuten mit: Erinnert an Capsular, auch so Ambientsound, aber ohne Laptop mit selbstgebastelten Instrumenten dargeboten. Auch leiser… so lange bis ich mich leise raus schleiche in den Mülheimer Regen.

 

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