Zebracore – Hannes Siaminos im Interview

Wie bist du an das Konzerte-veranstalten herangegangen? War das für dich eher eine kommerzielle um deinen Lebensunterhalt zu bestreiten bzw. was war in dieser Hinsicht für dich wichtig?

Na klar, ich habe damals Micheal Jackson zu „Wetten, daß…“ in die Hamborner RHEIN-RUHR HALLE. Von der Kohle lebe ich heute noch.
Aber mal im Ernst. Mir ist die ganze Kommerzkacke ja schon in der Metalschiene auf den Sack gegangen. Kumma, ich habe damals mein erstes Konzert ever in der Duisburger MERCATORHALLE erlebt. Gespielt haben die TEENS, das war damals so ne schwer angesagte deutsche BRAVO-gepushte Teenie Boygroup, vielleicht die TOKIO HOTEL der Endsiebziger. Da haben meine Eltern damals meine ganzen Geburtstagsgäste zum Konzert eingeladen. 9 Kiddies im Alter von 10 Jahren und eine Aufsichtsperson waren wir und der ganze Spaß hat grade mal ´nen Hunni gekostet, also ´nen 10er pro Nase. Heute unfassbar, aber so war das 1978 halt. AC/DC habe ich zum ersten Mal gesehen 1980 auf der „Back in Black“ Tour in der Grugahalle für schlappe 28 DM, zum letzten Mal gesehen 2001 in Oberhausen für nur noch 95 DM. Kleiner Unterschied, oder? Aber bis Mitte der 80er war´s erträglich. Absolutes Highlight waren SLAYER im Zentrum Altenberg für 12 DM. Das Konzert sollte eigentlich im alten WARTESAAL im Duisburger Hauptbahnhof stattfinden. Der Vorverkauf lief Wochen vorher, wir hatten alle schon Tickets und bis zum Tag des Konzerts sah man dort nur ´nen großen Schutthaufen. Der lokale Veranstalter hatte sich mit der Vorverkaufskohle verpisst und die Amis waren beleidigt. Dann hat Altenberg das Konzert übernommen und sogar noch ´nen Busshuttle kostenlos organisiert. Hin und zurück! Ohne Aufpreis. SLAYER, DESTRUCTION und ´ne Duisburger Kombo vor 100 Leuten, das war Mörder. Später ging es dann preislich bergauf. 1987 waren die dann auch in der Gruga für ca. 40 DM. Ich habe mir dann geschworen, für Konzerte nie wieder mehr als 15 DM zu zahlen.

Als ich in der FABRIK mit selber veranstalten anfing, war das ja nur ein Hobby. Damals hatte ich keine Ahnung, dass ich das mal 13 Jahre in ganz anderen Zusammenhängen betreiben würde. Ich dachte damals, ich mache das nur Übergangsweise. Daraus sind dann letztlich irgendwas zwischen 350 und 500 Konzerte geworden, eher Richtung 500. Manche Veranstaltungen waren tatsächlich auf Gewinn ausgelegt, aber dann in der Regel für Solizwecke. Persönlich bereichert habe ich mich nie. Und habe das auch nicht bei anderen Konzertgruppen, die ich kannte, erlebt. Nun, bei den Konzerten, die wir veranstaltet haben, haben wir selten drauf gelegt. Wenn mal was übrig blieb, wurde versucht, was für ´ne eigene PA an die Seite zu bringen. Aber in der Regel hatten wir unsere Kosten, die in der Regel bei 200 – 300 DM lagen, gedeckt und auch für die Bands war fast immer mehr als nur Spritkohle drin. Aber eben kein Reichtum. Oder aber du hast solche Seuchenvögel wie RADIOPUHELIMET und CMX aus Finnland. Die waren Anfang ´92 bei uns. Sonntagskonzert, ganze 2 zahlende Gäste und dann brennen beide Gitarrenamps durch. Da machste nix mehr.

Naja, durch die ganzen Kontakte, die da geknüpft wurden, kam man viel rum. Du bist bei ´ner Band ein paar Tage mit gefahren und lernst in 3 – 4 Tagen zehnmal so viele Leute kennen, als wenn du mit dem Arsch zu Hause bleibst, und das war cool. Mit der Zeit entwickelst du Präferenzen, wo es am nettesten war, und fährst da dann wieder hin. In meinem Fall war das die STEFFI in Karlsruhe, die ich mir als bevorzugtes Reiseziel ausgewählt hatte. STÖRTE in Hamburg und FRIESENSTRASSE in Bremen waren auch immer nett. Dadurch lernte ich die Nord-Süd-Achse OSLO-HH-HB-KA gut kennen und wir in DU lagen verkehrsgünstig auf dieser Route und wurden entsprechend gut mit Bands aus diesem Umfeld versorgt.

Überhaupt muss ich sagen, dass ich am Anfang dank mangelnder Kontakte sehr oft über Tapes oder zugeschickte Platten Bands ausgesucht habe, auch mit der ersten Konzertgruppe. Auch im DRUCKLUFT haben solche Sachen noch eine Bedeutung gehabt. Bei ZEBRACORE waren wir dann bereits so gut vernetzt, dass Tonträger bei der Auswahl eine kleinere Rolle gespielt haben. Viele internationale Bands hatten wir durch unsere regen Aktivitäten bereits woanders gesehen und dadurch direkte Kontakte, andere wurden durch uns bekannte Booker wie z. B, Herne (R.I.P.) aus der KÖPI in Berlin vermittelt, wobei wir immer die Non-Profit Schiene in diesem D.I.Y.-Umfeld gefahren sind. Und halt auch mit politischem Anspruch.

Habt Ihr damals auch mit anderen Konzertgruppen aus der Region fraternisiert? Gab es eine effektive Zusammenarbeit?

Oh ja, wir haben ab ´95/´96 angefangen, uns mit anderen Konzertgruppen aus der Region zu treffen und zu vernetzen. Das waren viele Verbündete aus einem Umkreis bis zu 80 Kilometern. Beteiligt waren wir, KG Virus (OB), MÜNNEKPUNX inner Kaue (GE), der HARTE CHOR, später RADIO BONTE KOE vom ZWISCHENFALL und WAGENI (BO), KG Schwerte vom RATTENLOCH, die Kollegen aus Herten, Düsseldorf, Hilden, Neuss, Köln, Wermelskirchen, usw. waren nicht alle Gleichzeitig, aber im Laufe der Zeit involviert. Sorry, wenn ich jemanden vergessen habe. Getroffen wurde sich alle drei Monate rundum in den Läden. Jeder war mal Gastgeber. Ziel war es, gegenseitig Infos und Poster zu tauschen. Aber auch Terminüberschneidungen konnten so das eine oder andere Mal vermieden werden. Ende 1996 entstand dann auch die Idee, ein unkommerzielles Open Air Festival zu veranstalten. In Co-Operation der Konzertgruppen wurde ein halbes Jahr vorbereitet, bevor im Juni 1997 das INDEPENDENCE DAY Festival auf dem Gelände des DRUCKLUFT in Oberhausen stattfand. Es spielten DE KIFT (NL), GUTS PIE EARSHOT, TEMPO ZERO (I), UNHINGED (B) und GRIMSROTTEN. Es kamen 400-500 Leute. Ein Jahr später wurde das Festival in VOLLALARM FESTIVAL umbenannt. Dort spielten dann ESK, SCALE SHEER SURFACE (B), FLEAS & LICE (NL), EX-CATHEDRA (SCO) und HEAL! (US), die Nachfolgeband der legendären FALSE PROPHETS. Selber Sänger, selbe Show, das halbe Set mit FP-Stücken gepflastert. Von diesem Festival gibt es auch ein Video, das man in drei Teilen auf meinem Kanal betrachten kann, wobei der dritte Teil fast die komplette HEAL!-Show zeigt.

Die Erlöse der Festivals kamen immer politischen Zwecken zu gute. Wir wollten zwar schon unseren Spaß, aber nicht hohl ohne Inhalt. Das Unkommerzielle stand immer im Vordergrund. Wir hatten gedeckelte Eintritts- und Getränkepreise, lecker veganes Catering (hallo an KOMMANDO ROTE RÜBEN !) und immer ´ne Tombola. In den Folgejahren gab es das Festival dann weiterhin jährlich, mein letztes als Aktiver war 1998.

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