Dating-Website-Profiltext eines alten Arschlochs

Wer, frag ich, könnte jemals Deinen Witz bezweifeln, wo Du so lauthals über meine Scherze lachst? Was weißt du nicht, nickst Du doch ohne Unterlass! Ach, wozu von Deinen Beinen singen, wenn sie im schönsten Nylon schimmern? Wes protzig Prengel Deine lieben Lippen rot und fest umschlossen, der preist nie mehr den Herrn und and´re Hundeführer, vielmehr Dich, nur Dich, in alle Ewigkeit!
Oh, ich werd´s vergelten, dies vielfältige Gute, das Du mir bald tust, den Duft Deiner stets hohen Schuhe, den süßen Saft, der nicht allein mein Kinn benetzt! Geben werd ich Dir, was ich vermag, freigiebig wie ich eben bin, und nicht erst wenn Du, fest gepackt und auf den Knien, mich schließlich auch noch Deine hint´re Schlucht ergründen und meine Niemals-Ex zum Dreier-Spiele zwischen Deine Säulen lässt.
Teilen wir den Fluch der Lohnarbeit, das verhurte Schicksal aller Menschen ohne Eigentum, so bereit´ ich Dir (und mir) mit Freuden Speis und Trank, ein weiches Lager, einen Rauchgenuss, sieht der Feierabend mir vor Dir ins ermattete Gesicht. Und zieht es Dich zu Herd-Spektakeln und exotisch Burger-Staplern, weil Du für Insta neue Bilder brauchst, willst Du hinaus, die Stadt beschauen, im treuen Glauben, dort, wo viele sind, das Leben anzutreffen, bin ich, ohn Murren, im schlimmsten Falle leise knurrend, brav an Deiner Seite, sofern Du´s wünscht, zumindest ein paar Mal im Jahr.
Auch bitt´ ich Dich, hab niemals Scheu, das Gewäsch der Postmoderne oder Hollywoods Herzlosigkeit mit der geschätzten Filmkunst zu verwechseln und Dich zu Tränen rühr´n zu lassen von Attrappen-Geist und Kitsch-Kopien! Ich bin´s, der Dein Händchen hält im dunklen Kinosaal, und beide ruh´n auf Deinem Oberschenkel, derweil die andere die Nachbarin entzückt und rührend ihren Klappsitz wässert. Zu Weihnachten und Ostern bin ich sicherlich dazu bereit.
Selbst das Geplapper und Gekicher Deiner Freunde und Freundinnen, flach wie meine schwarzen Scheiben, nur ihnen an Inhalt niemals gleich, werd ich erdulden und belächeln, mild, nicht böse, bis zum letzten Glas. Ganz ohne Gegenwehr werd ich Umarmungen mich beugen, von diesem Konsumentenpack, dem ich sonst, Busen oder nicht, am Liebsten vor die Füße spuckte, und weder Urlaubs- noch Karriereträume jemals mit den Klingen der Kritik zerfetzen. Höflich werde ich stattdessen Beifall zollen, der Geschmack- und der Gedankenlosigkeit, und tiefsten Respekt sogar bekunden, den gepressten Tränchen ihrer glitschigen Moral, diesem durchsichtigen Kleide ihres starken Mörderwillens, der sich allzu schnell entblößt, wenn Schwäche kein Versteck mehr hat. Trost finde ich dabei in meinem Glauben, dass Du immerhin noch anders seist, gebunden an solch Menschenimitate bloß durch Kindheitszauber und die Zeiten, in denen man daran sich hielt. So lade sie nur ein zu uns, einmal im Jahr lass ich sie leben, auch wenn sie nichts davon versteh´n.
Gott… Er ist Dir Krücke? Schäm Dich nicht, auch der wird Dir verzieh´n! Und jedes Schaltjahr fahren wir, das schwör ich feierlich, zu Deinen Eltern auf das karge Land, loben die Luft voll Dung unter dem Druck inzestuöser Stille, die schwer auf spitzen Dächern liegt. Natürlich weiß ich´s schon, das Interessanteste an Deiner dummen Mutter kann nicht die Seidenmalerei, muss ihre Strumpfhose wohl sein (hautfarben stützend!), während Dein Vater, ein Hasen jagender Rassist, jeden Groschen zählt, auf dass nur keiner fallen möge. Vom ersten Augenblicke an werden wir uns hassen, so steht´s bereits geschrieben, mehr als es Lisbett und Mary damals getan. Und selbstverständlich ist er Dir der größte Mann, weil er mit seiner Kombizange den letzten Schrott noch repariert für Euch, bevor er Euren Müll sortiert. Und dennoch, meine Süße, lieb ich Dich, denn längst ist mir doch klar, dass wir alle verstümmelt und behindert sind, durch´s Dasein zucken ohne Sinn. Oder ist der Drecksack Unternehmer? Spielt sein dralles Weib in weißen Socken Golf? Lehnt sie Asylanträge ab? Fährt sein Ferrari etwa nicht zuletzt auf Brücken in den Mündern armer Teufel? Soviel Scheußlichkeit ist denkbar, aber nein, ich werd nicht ungehalten! Hauptsache, Lehrer sind sie nicht. Sag, hast Du zu allem Überfluss auch noch Geschwister, zwei gleich oder drei? Was soll´s? Ich spekulier auf hübsche Schwestern, weil zwischen Frauen wirklich nichts verboten ist, wie ich einst gründlich nachgelesen hab. Möglicherweise ist, was wär das für ein Glück, Dein Zwilling auch darunter…
Siehst Du´s nun, was ich Dir tu? Braucht meine Liebe mehr Beweis? Sei´s drum, einen geb ich noch, erhaben ist er über alle Zweifel: Solltest Du dem Irrsinn gar verfallen, Deinen Körper zu trainieren (Nicht für mich, ich mag Dich rund!), so werd ich anstandslos es Dir gestatten, für die Dauer Deines Laufes wöchentlich einmal aus Deinen Pumps zu steigen, ja die Bluse selbst gegen ein Shirt zu tauschen und den Zweck über den holden Stil zu stell´n.
Freilich muss ich, der ich dann soviel gab, auch Grenzen ziehen, meine zarte Seele und das rege Hirn zu schützen, denn, gleich wie inniglich mit Dir verbunden, bleib ich doch ein Individuum, gerechter König meines Reichs. So beachte, darum ersuch ich Dich entschieden, sorgsam nur das Folgende, damit kein Streit-Gewitter unser´n dritten Frühling trübt, Dir niemals die Verbannung droht:
Ich beginne mit dem Schwersten, nicht für mich, aber für Dich. Sag, nennst Du einen Hund Dein eigen? Du nickst? Liebste, gib ihn weg! Das Beste wäre heute noch, ein Abschied für immer sollte stets ein kurzer sein. Ein Wissen wird dabei Deinen Kummer lindern: Sicher ist er nun vor mir. Mein Stiefel wird ihn nicht erreichen und niemals fliegt sein Stöckchen in den Sumpf. Oder den Verkehr nach 16 Uhr.
Sodann möcht´ ich versichern, dass Zensur für mich ein Übel ist, soll heißen die Lektüre steht Dir frei. Ist das Papier jedoch vergeudet an´s stupide Schmachten and´rer Durchschnittsfrauen, ist´s Banalitätensuppe bloß, die da fad aus lahmer Feder floss, so verleg ihr Studium doch vorausschauend auf´s Klo oder in die vielen Stunden, in welchen Mannigfaltiges mich aus unsrem Hause führt. Ich will nicht den Respekt vor Dir verlieren, du tätest daher gut daran.
Da ich mein Leben habe, hast Du das Deine weiterhin zu füllen, dies ist mir wohl bewusst. Ersinnst Du dafür Projekte Dir, sei´s frisches Grün für unsern Garten, ein neuer Boden für das Bad oder ähnlich arg Verzweifeltes, musst Du Dich niemals sorgen, ich könnt´ Dich hindern, Dir vorsätzlich im Wege sein. Solang Du mir mein Zimmer lässt, den Freunden heißt´s Refugium, tu nur, was Dir Freude macht und mag sie noch so simpel sein. Von Beginn an zu begreifen ist grad eines: Du hast zwei gesunde Hände, also mach den Scheiß allein!
Spaziergänge! Ich hasse sie von Kindesbeinen, die keineswegs notorisch müde, nur schlicht nicht Willens waren, sich für diesen Stumpfsinn herzugeben. Trotte, meinetwegen, um die Erde oder jeden See, um den man hierzulande trottet, aber frag mich niemals, ob ich Dich begleiten will, hab nicht die Stirn! Zuwider ist mir die Natur in ihrer gefräßig-plumpen Existenz, erbarmungslos und kalt ihr Schauspiel, das nicht mal eines ist. Dann und wann darfst Du neben mir auf Bordsteinkanten hocken und Konzertsäle beschwanken, jedoch nicht zu oft, meine Freunde nähmen´s krumm.
Dies führt schnurstracks mich zu dem Unfug, den ihr alle liebt, der Urlaub heißt und uns´re Welt verpestet. Flieg von mir aus in den armen Süden, lieg an Stränden, von Faschisten gut vorm Leid geschützt. Lass Dir den weißen Arsch nachtragen und selbigen dann in der Sonne bräunen, warum nicht bis zum Karzinom? Die Hölle der Postkarten-Plattitüden aber behalte brav für Dich, so wie alle Fotos, denn tust Du´s nicht, so könnt´s wohl sein, dass Du bei Deiner Rückkehr ein neues Schloss an meiner Tür vorfindest und aus dem Fenster eine dritte lacht. Ich scheiße auf das Meer und auf die Berge noch viel mehr. Und weil ich Duisburg kenne, muss ich auch nicht nach Rom. Urlaub ist für mich, wenn ich mit mir und alten Geistern für Wochen meine Ruhe hab, bei Whisky, Wein und was mir sonst noch schmeckt. Also flieg und zwitscher mal woanders!
Jetzt fragst Du nach der Zweisamkeit, mein armes Deko-Hörnchen, als sollten´s in der Woche mehr als ein paar Stunden sein. Wie kommst Du d´rauf, was fällt Dir ein? Siehst Du nicht das Regal und seine Brüder, gefüllt für 100 Jahre? Sag, was bin ich Dir, Dein Unterhalter? Trag ich zu große Schuhe oder suchst Du ernstlich einen Sinn? Hak das ab, wie das Kauderwelsch auf Deinen Listen! Wirst nichts finden, bloß Int´ressen gibt´s. Und was mich sonst noch treibt, verstehst Du nicht. Nimm´s vielmehr dankbar an, wenn ich Dich ein wenig schnattern lasse in den frühen Abendstunden oder Dir für Minuten manchmal Zugang geb zu meiner schwarzen Welt, klebst ohnehin an ihrem Glanz. Verlang nicht mehr, sonst spür ich Druck, der bald an meinen Nerven zerrt und allzu schnell sind wir entzwei und Du allein.
Zuletzt noch eine Kleinigkeit: Hier wohnt noch eine, ich sagt es ja, zumindest war es so gemeint. Sie ist sehr lieb und fügt sich gut. Ich zweifle nicht, sie schenkt Dir gerne ein Zuhaus. Doch nimm nicht nur und gib auch ihr, schön regelmäßig mit der Zunge und der Hand, denn ihr werdet vieles teilen, nicht einzig mich, bin ich mal da.
Ich verbleibe mit den wärmsten Grüßen und bin mir einer Sache schon ganz sicher: Besser treffen wirst Du´s nie! Ich selber könnte es natürlich, doch kümm´re mich nicht gern darum. Schreib rasch, dann kann ich and´re Dinge tun und muss mir weiter keine Mühe machen. Das ist mir das Liebste, Liebste!

Epilog

In den ersten sieben Tagen, nachdem ich meinen Profiltext gesetzt hatte, meldeten sich sechs Frauen unterschiedlichen Alters bei mir. Eine hatte nur die ersten Zeilen gelesen, der Rest war ihr zu viel. Sie schrieb mir, dass sie den großen Dichter gerne mal persönlich kennenlernen wolle, worauf ich ihr, in Anlehnung an Bukowski, antwortete, dass der gerade mit Ficken beschäftigt sei. Die zweite war neugierig, was von all dem denn nun ernst gemeint wäre, und binnen kurzem ehrlich entsetzt. Die dritte war erbost, ob meines toxischen Narzissmus, und die vierte eine Ex-Freundin, die mich, trotz meines Pseudonyms, sogleich erkannt hatte und lediglich noch einmal beschimpfen wollte, ehe sie weinend zusammenbrach.
Die fünfte leidet, wie unser Nachrichtenwechsel rasch ergeben hat, am Borderline-Syndrom (und manchem mehr) und die sechste, ich war überrascht, stellte sich mir als Serien-Mörderin vor.
Da mir aber augenblicklich wieder die Langeweile im Nacken sitzt und die Revolution noch auf sich warten lässt, werde ich die zuletzt Genannten wohl mal daten. Suzy, das ist die mit den Messern, erinnert mich an meine große Mittelstufen-Liebe, vielleicht ist sie´s sogar, das Alter käme hin.
Ihr meint, das sei kein Argument? Ach, ich bitte euch, was auf diesem Drecks-Planeten geschieht denn schon aus einem guten Grund…

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