Verspätet habe ich mir das aktuelle OX zugelegt. Der ehrliche Grund: an Weihnachten führte ich ein nettes Telefonat mit Herausgeber Joachim Hiller, der mich dazu bewegen konnte, in Zukunft mit kleinen Beiträgen im Heft mitzuwirken.
Um Ehrlichkeit soll es ohne Umweg in diesem Review gehen. Kernstück des Heftes ist das von Kalle Stille geführte Interview mit Axel Kurth, Sänger der Band WIZO. Ich mochte diese Gruppe nie besonders, ihre Erfolge in den 90ern sind mir natürlich im Gedächtnis geblieben.
Kurth referiert nüchtern über den Ist-Zustand der Musikszene und der Musiksparte „Punk“. So ziemlich alle Kritikpunkte, die ich vielleicht an dem Projekt WIZO gehabt hätte, greift Kurth auf und stellt sie als Fakt dar. Der Mann kann einem leid tun, findet er sich nun in der Rolle eines Dienstleisters an einer Szene wieder, die in weiten Teilen undankbar und ignorant ist. Diese Rolle füllt er allerdings gewissenhaft und mit aller ihm zur Verfügung stehenden Energie aus. Ein wenig überrascht war ich doch, dass selbst von einer Größe wie WIZO anscheinend niemand mehr Tonträger kauft. Aber das Dilemma ist ja nicht neu, lässt einen nur wirklich optimistisch nicht auf die Zukunft musikschaffender Menschen schauen. Respekt an dieser Stelle an Herrn Kurth für die entwaffnend ehrliche Bilanz.
Was haben wir noch im Heft: Spaß habe ich an Serien wie der von Peter Pank, sowie allen anderen Kolumnen. Einem Gespräch mit Mille Petrozza kann grundsätzlich immer zugehört werden. KREATOR waren nebenbei die erste Metalband, die ich mit 12 gehört hab.
Mit den Tonnen an Reviews zum aktuellen Angebot der Punkrockbranche kann ich nichts mehr anfangen, da ertappe ich mich bei mehr Interesse an Besprechungen zu Filmen.
Überhaupt nichts mehr sehen/hören/lesen möchte ich von jeglicher Aufarbeitung von Punk-Historie, da schließe ich mich dem Vorwort von Joachim an. Gibt es dafür nicht längst Museen? Im Hier und Jetzt finden schließlich noch immer spannende Entwicklungen statt.
Nils S.

Antworten